Liebe Gabi,
wenn man sich seit mehr als zwanzig Jahren kennt, ist es gar nicht so einfach, ein paar passende Worte zum Abschied in den Ruhestand zu finden. Vielleicht auch deshalb, weil sich in dieser Zeit so vieles verändert hat – Aufgaben, Technik, Zuständigkeiten, manchmal auch wir selbst. Was geblieben ist, ist meine große Wertschätzung für dich.
Als wir im Jahr 2005 unsere ersten dienstlichen Berührungspunkte hatten, begann für mich eine Zusammenarbeit mit einer Kollegin, zu der ich schon damals aufgeschaut habe. Wegen deines immensen Wissens, deiner bemerkenswert sachlichen und nüchternen Art und vor allem wegen deiner Fähigkeit, Probleme nicht größer zu reden, sondern nach Lösungen zu suchen. Dazu dieser wunderbare Humor, den ich immer sehr gemocht habe. Wir haben viel miteinander gelacht – und mindestens ebenso gern habe ich mit dir gedacht.
Uns verbunden hat dabei immer auch die Technik. Du warst und bist jemand, der neuen Entwicklungen mit Neugier, Sachverstand und Offenheit begegnet. Später gerieten wir dabei beruflich in eine beinahe schon amüsante Rollenverteilung: du auf der Seite neuer technischer Möglichkeiten, ich mit Datenschutz und Informationssicherheit im Gepäck. Eigentlich beste Voraussetzungen für ein gepflegtes Spannungsverhältnis.
Nur: Ein solches hatten wir nie.
Ich kann mich jedenfalls an keinen wirklichen Streit zwischen uns erinnern. Stattdessen an Sachlichkeit, gegenseitiges Verständnis und die gemeinsame Suche nach einem vernünftigen Weg. Und manchmal auch an ein sinngemäßes: „Na, wenn Theo sagt, dass wir das machen müssen, dann machen wir das eben.“ Das war nie Gleichgültigkeit, sondern etwas, das ich an dir immer besonders geschätzt habe: die Fähigkeit, eine fachlich begründete Grenze zu akzeptieren und die Energie anschließend lieber in eine Lösung als in einen sinnlosen Widerstand zu stecken.
Eine gewisse Ironie hatte es ohnehin, dass du selbst einmal mit dem Datenschutz befasst warst. Den Moment, in dem du mir schließlich deine gesammelten Datenschutzunterlagen überlassen konntest, habe ich jedenfalls in guter Erinnerung. Und ich meine bis heute, dabei auch ein kleines, durchaus zufriedenes Lächeln auf deinem Gesicht gesehen zu haben.
Aber wenn ich heute auf all die Jahre zurückblicke, denke ich längst nicht nur an unsere Arbeit.
Ich habe mich immer gern auch für den Menschen hinter der klugen, nüchternen und manchmal herrlich trockenen Kollegin interessiert. Für das, was dich beschäftigt, was dich begeistert und was dich hinauszieht ins Leben. Nicht zuletzt sind da die Berge: du wandernd, ich kletternd – auf unterschiedlichen Wegen vielleicht, aber mit einer ziemlich ähnlichen Sehnsucht nach Höhe, Weite und einem freien Blick.
Und vielleicht ist genau das ein schönes Bild für das, was nun vor dir liegt.
Nach so vielen Berufsjahren beginnt kein Stillstand. Es beginnt ein Stück Weg, dessen Richtung du selbst bestimmen darfst. Ohne Arbeitszeiten (wenngleich ich meine, dass du auch darin immer Freude verspürt hast und dir das Loslassen nicht leicht fällt), ohne Zuständigkeiten und ohne die Frage, ob Datenschutz und Informationssicherheit – oder zwischenzeitlich das Hauptamt – vielleicht doch noch etwas dagegen haben.
Ich wünsche dir sehr, dass dieser Weg dich oft dorthin führt, wo du gern bist. Dass du neugierig bleibst, dass es viel zu entdecken, zu lachen und zu erleben gibt – und dass du dir deine wunderbare Klarheit, deinen Humor und deinen wachen Blick auf die Dinge bewahrst.
Vor allem aber wünsche ich dir viele gute Jahre, in denen das Leben nicht aus dem besteht, was man noch erledigen muss, sondern aus dem, wofür endlich Zeit ist.
Danke für mehr als zwanzig Jahre gemeinsamer Wege, für dein Vertrauen, für unzählige kluge Gedanken, für viele Lösungen und für sehr viel gemeinsames Lachen.
Ich werde dich als Kollegin – auch auf meinem Arbeitsweg, auf dem ich dich manchmal, wenn ich früh genug aufgestanden bin, getroffen habe – vermissen. Und ich freue mich sehr darauf, weiterhin mitzubekommen, wohin deine Wege dich führen.
Und weil du dich über meine bisweilen ausufernden, gern verschachtelten und nur selten von dem ernsthaften Bemühen um Kürze geprägten Texte immer wieder auf diese ganz eigene, charmante Art belustigt hast, soll auch an dieser Stelle eines meiner gern bemühten Zitate nicht fehlen. Blaise Pascal wird der Satz zugeschrieben:
„Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen einen langen Brief schreibe, für einen kurzen habe ich keine Zeit.“
Nur ausnahmsweise trifft er diesmal nicht zu. Zeit, mich kürzer zu fassen, hätte ich vielleicht gehabt. Ich wollte es nur nicht. Denn nach mehr als zwanzig gemeinsamen Jahren hätte sich ein kurzer Gruß für dich schlicht nicht richtig angefühlt.
Alles erdenklich Gute für deinen neuen Lebensabschnitt!
Dein
Theo